Tagebuch vom 2. Teil der Wien-Nizza Trilogie >>> Toblach - Martigny vom 27. Juni bis 11. Juli 2009
15 Etappen - 1’040 km - 36’250 Hm - 10 Biker

Während 15 Tagen begleiten uns gewaltige Felsmassive mit Zacken, Zinnen und Türmen. Bekannteste Viertausender mit ihren unverwechselbaren Silhouetten. Schneeweisse Gletscher welche im Sonnenlicht glänzen und glitzern. Saftige, blumenreiche Alpweiden und hochgelegene Arvenwälder gehören genau so dazu wie die braungebrannten Walliser Dörfer mit ihren typischen Stadeln. Quer durch die eindrücklichsten Regionen der Dolomiten führt die Route später über die Schweizer Grenze und weiter mitten durch die Räthischen Alpen und das Gotthardmassiv bis zu den imposanten 4000-ern der Walliser Alpen. Pausenlos gibt es spektakuläre Gebirgszenerieen zu bewundern, berühmte Berge wie die drei Zinnen, Marmolada, Piz Kesch, Dom, Weisshorn, Matterhorn und Grand Combin säumen unsere Route. Bekannteste Trail-Highlights wie der Bindelweg, der Knüppelsteig oder das Val d’Uina werden befahren. Dieser mittlere Abschnitt ist mit rund 1’000 Kilometern und satten 36’000 Höhenmeter das längste Teilstück der Wien-Nizza Trilogie.
Freitag, 26. Juni, Anreise nach Toblach
Die letzten Stunden vor der Abfahrt in Zürich wurden noch mal hektisch. Trotz sintflutartigen Niederschlägen, Hagelschauern und verspäteten Abflugzeiten sind aber schlussendlich alle pünktlich um 14 Uhr am Zürcher Hauptbahnhof eingetroffen. Die Gruppe war nun komplett: Marko aus Finnland - Maurizio aus Luxemburg - Beat, Heini und Daniel aus Zürich – Urs und Peter aus dem Aargau – Reto von Bern – Frank aus Luzern.
Mit einem gecharterten Bus ging es nun voller Vorfreude Richtung Südtirol.
Nach einer entspannenden Busreise sind wir gut gelaunt und voller Tatendrang in Toblach eingetroffen. Der freundliche Hotelier und das feine Nachtessen stimmten uns auf die bevor-stehende Tour ein. Nun werden die letzten Vorbereitungen getroffen für den morgigen Tourstart. Das Warten hat ein Ende. Noch 1 Mal Schlafen und dann geht es endlich los!
Lukas |
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Unsere Ankunft in Toblach
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Peter im Up-Hill zur Pralongia
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1. Etappe: Sa, 27. Juni, Toblach – Crepaz, 2555 Hm / 67 km
Da das Wetter einen kritischen Eindruck machte, starteten wir sogleich nach dem Frühstück auf die erste Etappe. Dem einstündigen, flach steigenden Einrollen folgte der erste ruppige Aufstieg. Dies sollte sich dann den ganzen Tag so durchziehen. Die grandios, schroffe Dolomiten-Landschaft lohnte aber aller Mühen. Natürlich war zwischendurch auch immer mal wieder ein wenig Trail-Gymnastik mit dem Bike angesagt!
Morgen soll’s dann flach werden ;-)
Urs + Peter |
2. Etappe So, 28. Juni 09, Crepaz - Mahlknechtjoch, 2000 Hm / 35 Km
Die Daten dieser Etappe erscheinen doch eher Bescheiden. Die extrem steilen Aufstiege und der Singletrail- und Schotteranteil von Rund 95% mussten jedoch zuerst bewältigt werden… Schon in den frühen Morgenstunden ging es mächtig zur Sache. Der Up-Hill zur Porto Vescovo führte stellenweise fast unerbärmlich steil bergauf. Oben erwartete uns dann aber ein wunderschöner Blick zur 3342 Meter hohen Marmolada. Fels und Gletschereis prägen diesen faszinierenden Berg. Genau gegenüber begann dann unser erstes Singletrail-Highlight des heutigen Tages – der Bindelweg. Trailgenuss vom feinsten kann man da nur sagen. Unser zweiter Höhepunkt wartete nach einem weiteren steilen Aufstieg – der genau so schöne und ebenfalls kilometerlange Friedrich August-Weg… |
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Die Hüttenübernachtung in der Plattkofelhütte rundete diesen Tag gebührend ab…
Lukas

Reto auf dem kilometerlangen Bindelweg mit Panorama-Blick zur Marmolada.
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Peter auf den ersten Metern des faszinierenden Trails über das Schlernplauteau.
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3. Etappe Mo, 29. Juni 09, Mahlknechtjoch-Tramin, 2300 Hm/95 Km
So schön wie der gestrige Tag beendet wurde so schön ging es heute weiter. Trails ohne Ende… Über das faszinierende Schlernplateau erreichten wir nach einer anspruchsvollen Abfahrt einen nächsten Dolomiten-Höhepunkt. Nämlich den legendären Knüppelsteig. Dieser forderte… Reto, Daniel, Peter und Urs konnten mit ihrem hohen technischen Können fast den gesamten Trail fahren. Die Tour forderte Mensch und Material – so müssen heute Abend einige Blessuren geheilt und an den Bikes diverse Reparaturen vorgenommen werden…
Lukas |
4. Etappe Di, 30. Juni 09, Tramin – St. Felix, 2900 Hm / 55 Km
Die Aufstiege und die Berge sind schon gewaltig. Wir starteten heute mit einem 2000 Höhenmeter-Aufstieg auf den Monte Roen - so viele Höhenmeter am Stück habe ich bis jetzt nur mit dem Auto gemacht… Schon beim Start um 7 Uhr war es fast 20°C warm. Der Aufstieg war heiss und der Schweiss floss in rauen Mengen - Beat konnte auf dem Gipfel sogar seine Socken auswringen.
Vor einigen Jahren habe ich schon mal einen 7-Tages Alpencross gemacht - was ich mit Lukas bis jetzt erlebt habe kann ich jedoch mit Worten nicht mehr beschreiben. Ich wünsche jedem Biker, dies mal zu erleben. |
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Die Organisation ist perfekt und die Gruppe ist einmalig. Einfach genial!
Maurizio aus Luxemburg

Maurizio auf dem Monte Roen
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5. Etappe Mi, 1. Juli 09, St. Felix - Laatsch, 2600 Hm / 97 km
Als uns Lukas beim Breefing erzählte, heute gibt es ein Tragestück von 380 Hm, spielte ich ernsthaft mit dem Gedanken, statt der Originalroute die Strassenvariante über Meran unter die Räder zu nehmen. Doch wer Lukas kennt, weiss wie suptil seine Motivationstechniken sind und ehe ich mich versah war ich bereits im Aufstieg zum Hofmahdjoch (680 Hm). Anschliessend folgte der Trail zur Gomperalm, der gespickt war mit einigen kurzen Tragpassagen, die aber nicht der Rede wert waren.

Maurizio auf dem 2517 Meter hohen Tarscherpass - dem Übergang ins Vinschgau
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In der Abfahrt zum Zoggeler Stausee hatte es nochmals einige knackige Singeltrails. Bei der Staumauer machten wir unsere Mittagspause. Frisch gestärkt nahmen wir die 1’000 Hm Richtung Arzker-Stausee unter die Räder. Die Strasse war größtenteils asphaltiert und gleichmäßig steigend. Unterhalb der Staumauer begann dann der schweißtreibende Fußmarsch zum Tarscherpass. Ich dachte mir, 380 Hm ist etwa gleich viel, wie ein Spaziergang auf den Uetliberg. Und Tatsächlich nach 45 Minuten hatte auch diese Plackerei ein Ende.
Was nun folgte war wirklich erste Sahne. Die Abfahrt führt anfänglich noch über Skipisten und Forstwege. Dann zweigten wir ab in den Wanderweg Nr. 4 nach Latsch. Wir surften diesen Trail hinunter. Die Luft roch nach Bremsbelägen, die Bremsscheiben glühten und in den Fingern hatte ich schon fast kein Gefühl mehr vom dauernden bremsen. Bremsscheiben und Finger brauchen dringend eine Verschnaufpause... Doch wenn ich ins Tal schaue sind die Häuser immer noch winzig klein. Noch nie bin ich einen so lange Trail an einem Stück heruntergefahren!
Das Schlussstück von Morter nach Laatsch konnte man bei dem herannahenden Gewitter und dem Gegenwind nicht als ausfahren bezeichnen. Im Hotel angekommen, waren wir wieder mal froh, es trocken nach Hause geschafft zu haben.
Beat |
6. Etappe Do, 2. Juli 09, Laatsch –
Il Fuorn, 2700 Hm / 57 km
Aufbruch zu einem der Hghlights dieser zwei Wochen – dem spektakulären Weg durch das Val d’Uina. Doch zuerst der Reihe nach.
Gleich nach der Abfahrt in Laatsch gewinnen wir schnell Höhe auf einem steilen Schotterweg und erreichen via Sesvennahütte das Schlinigerjoch – dem Übergang vom Südtirol in die Schweiz. Und nach einigen Minuten schöner Fahrt, auf dem Trail des Hochplateaus, liegt bereits das karge und imposante Val d’Uina vor unseren Füssen. Durch den engen und eindrücklichen Felsenweg geht es nun hinunter in Richtung Scuol. Entlang der Nationalpark-Marathon Strecke fahren wir hinauf nach S-charl, wo wir einen kurzen Verpflegungshalt einlegen und uns für den bevorstehenden letzten Aufstieg stärken. Der Aufstieg auf den ‚Funtana da S-carl’ geniessen wir in vollen Zügen. Die rasante Abfahrt auf den Ofenpass und dann weiter nach Il Fuorn natürlich auch. Obwohl wir auf dieser Abfahrt noch mit dem ersten Regen dieser Tage erwischt werden. |
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Anmerkung der Redaktion:
Einigen scheint es heute ganz gehörig im Magen zu rumpeln. Bereits beim ersten Aufstieg muss auf die Zähne gebissen werden – die Durchhalteparole wird ausgegeben!. Das Beissen hat sich jedoch gelohnt. Am Nachmittag, nach einer Suppe und einer Kola, kommen die Lebens-Geister langsam wieder zurück.
Frank

Im Abstieg durch das spektakuläre und bekannte Val d’Uina.
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7. Königs-Etappe Fr, 3. Juli 09, Il Fuorn - Bergün, 3000 Hm / 85 km
Der heutige Tag fängt brutal an, um 05:00 frühstücken, um 05:30 auf die Bikes und los auf die Königsettape von Il Fouron nach Bergün über die beiden Pässe Chaschauna und Kesch sind es rund 85km und 3000Hm.

Morgenstimmung über der Alp Buffalora - Daniel im ersten Aufstieg des Tages.
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Wir kommen gut voran die Sonne lacht und um 11:00 sind wir schon auf dem Chaschauna Pass. Leider ziehen sich die Wolken zusammen und es fängt leicht an zu regnen, es sieht nicht gut aus, also erstmal einen Kaffee trinken und beraten.
Nach einer halben Stunde ziehen wir die Regenkleider an und fahren ins Engadin und in Richtung Kesch Pass, aber der Regen wird leider immer stärker.
Also nochmals ins Restaurant und abwarten und Tee trinken…
Wir haben Glück und das Wetter reist auf und wir können los Richtung Keschpass.
Nach einem harten Aufstieg erreichen wir die Keschhütte wir hatten Megaglück und sind trocken oben angekommen, eine Ovomaltine mit Nusstorte gönnen wir uns als Belohnung.
Jetzt nur noch die Abfahrt nach Bergün und wir haben es geschafft.
Daniel |
8.Etappe Sa, 4. Juli 09, Bergün - Safien, 1900 Hm / 52 km
Hammerhaft was wir bis heute alles mit Lukas erleben durften. Nach der gestrigen Königsetappe war diese 1900 Höhenmeter-Tour schon fast ein Ruhetag...
Die heutige Etappe führt uns ins so genannte „Tal am Ende der Welt“ – das Safiental. Bevor es soweit war erwartete uns ein weiteres Highlight - der Weg durch die Schynschlucht. Viele hundert Höhenmeter über dem Flusslauf der Albula erreichten wir das Domleschg und schliesslich Thusis. Über den Glaspass - zu meiner grossen Freude konnte ich fast die komplette Abfahrt auf dem Bike bewältigen - erreichten wir das Safiental. Erst 1885 wurde dieses Tal durch eine Talstrasse erschlossen. Davor war dieses nur über vier hohe Pässe zu erreichen. |
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Nebst dem Glaspass und dem Tomülpass (welchen wir auf der nächsten Etappe überqueren und von hier aus gesehen mit Schnee bedeckt ist) waren dies noch das Güner Lückli und der Safierberg. Schon jetzt freue ich mich riesig auf die Tour von morgen.
Heini der Hilfsnavigator

Die steile Abfahrt vom Glaspass ins Safiental
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9. Etappe So, 5. Juli 09, Safien - Obersaxen, 2600 Hm / 70 km
The day started - as usual - by a 1’000 meter climb to the first pass [Tomülpass]. I wasn’t feeling too good – the long days and yesterday’s falling seems to have taken its toll from my legs. It was a very nice ride down to the valley [Valsertal], with nice views and good riding. The second pass was better for me, I felt good and managed to make it to the top [Alp Nova] with the “big boys” - Dani, Reto, Frank and Lukas.

Urs und Peter im Down Hill vom Tomülpass.
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So far all the days have been very good – superb riding in stunning places. Lukas has done really good work and I am looking forward to the last days with this good pack. Marko from Finnland
Übersetzung von Reto:
Der Tag begann – wie üblich – mit einem 1’000 (Höhen)Meter Anstieg zum ersten Pass (Tomülpass). Ich fühlte mich nicht sehr gut – die langen Tage und der gestrige Sturz scheinen ihren Preis von meinen Beinen gefordert zu haben. Es folgte eine sehr schöne Abfahrt hinunter ins Valsertal mit schöner Aussicht und gutem biken. Der zweite Pass war besser für mich und ich schaffte es, auf der Alp Nova mit den „big boys“ – Dani, Reto, Frank und Lukas – anzukommen. Bis jetzt haben mir all die Tage sehr gut gefallen – exzellente Touren an wunderschönen Orten. Lukas hat sehr gute Arbeit geleistet und ich freue mich auf die nächsten Tage mit dieser guten Truppe. Marko aus Finnland |
10. Etappe Mo, 6. Juli 09, Obersaxen - Realp, 2800 Hm / 100 km
Der heutige Tag hat begonnen wie der gestrige endete: grau in grau… Trotz trüben Aussichten und leichtem Regenfall waren Luki’s Anpreisungen des optionalen Ruhetages erfolglos. Die ganze Gruppe machte sich auf den Weg Richtung Disentis und wurde schon bald durch besseres Wetter belohnt. „The famous Heini Group“ versuchte die Spitze auszutricksen und benutzte kurzerhand das Postauto auf den Lukmanierpass. Die Beine des restlichen Feldes waren aber zu gut und Herr Stöckli musste sein gelbes Trikot nicht abgeben. Danach ging’s zum ersten Mal ans Eingemachte mit dem zum Teil steilen und vor allem sehr holprigen Aufstieg auf den Passo del’Uomo. Diese Herausforderung wurde aber am Nachmittag im Val Canaria noch übertroffen mit steilen Rampen, welche uns viel Schweiss und die letzte Kraft abforderten. Jedenfalls waren alle ganz froh, vom Gotthardpass her die Beine hängen lassen und mit viel Speed ins Tal rauschen zu können. Aus dem Ruhetag wurde letztlich eine zweite Königsetappe. |
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Persönlich bin ich glücklich, dass wir die heutige Etappe überhaupt fahren konnten und mit sehr viel Wetterglück fast trocken durchgekommen sind. Lukas ist bestimmt auch froh, dass er nicht (wie angedroht) mit mir durch den Regen fahren musste… Das „Training“ der letzten Woche zeigt Wirkung und es macht Spass, die vielen Herausforderungen der Etappen annehmen zu können und dabei immer wieder kräftig in den Lenker zu beissen :-)
Reto

Reto im steilen Up-Hill durch das Val Canaria.
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11. Etappe Di, 7. Juli 09, Realp - Rosswald, 2700 HM / 82 km
Der heutige Tag beginnt mit einer Passfahrt über den Furka. Der Himmel ist wolkenverhangen und auf der Passhöhe hatten wir Nebel und tiefe Temperaturen.

Marko und Urs im Schluss-Spurt zum Saflischpass. Die mächtigen Altschneefelder sind Zeugen eines schneereichen Winters.
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Wegen mächtigen Altschneefeldern entschied ich mich aus Sicherheitsgründen den Singletrail hinüber zum Bidmer wegzulassen – zu gefährlich wäre dieser, sonst schon sehr schmale Weg gewesen. Es ging somit in rasanter Fahrt auf der Passstrasse ins Goms hinunter.
Nach einer Mittagspause in Ernen folgte der lange Aufstieg zum Saflischpass. Je höher wir kamen desto garstiger wurde das Wetter. Dunkle Wolken zogen über die Passhöhe und brachten sogar kurzzeitig etwas Graupelschauer. Trotzdem schafften wir es fast trocken zu unserer Unterkunft. Der harte Winter in der Simplonregion hat deutliche Spuren hinterlassen. Mehrere kleine Schneefelder mussten überquert werden - im Südtirol war auf dieser Höhe schon längst kein Schnee mehr.
Am Schwedenofen heizten wir uns dann wieder auf und genossen einen gemütlichen Hütten-Abend, fast 2000 Meter über dem Talboden des Rhonetals.
Lukas |
12. Etappe Mi, 8. Juli 09, Rosswald - Bürchen, 2700 Hm / 60 km
Am frühen Morgen werfen wir mit gemischten Gefühlen erste Blicke aus den Fenstern unseres Berghotels. Das Wetter ist nebelverhangen und garstig und die Temperatur liegt bei ca. 3°C… brrrrrr! Nichtsdestotrotz fahren wir, mit allem eingepackt, was in greifbarer Nähe lag, den ersten Trail zur Simplonpassstrasse runter. Dort nehmen wir, jeder in seinem Tempo den Aufstieg zur Passhöhe in Angriff. Einmal mehr hat uns Heini ausgetrickst und die Postauto AG unterstützt, sodass er gleichzeitig mit uns oben eintrifft.
Nach einer kurzen Abfahrt, folgt der ruppige Aufstieg zum Bistinenpass Das Wetter ist weiterhin wolkenverhangen. Orkanartig bläst uns ein bissig kalter Wind entgegen. Der Windchill-Faktor hat bestimmt unter null gelegen! Schlussendlich hat es niemanden wieder zum Simplon runtergeblasen und alle schafften den Übergang.
Nach einem kalten, ungemütlichen Downhill machten wir einen kurzen Sandwich-Rast, um dann sogleich den Auftieg zum Gebidum in Angriff zu nehmen. |
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Alle kamen gut rauf und nahmen sogleich den Höhenweg unter die Räder. Zum ersten Mal wurde hier der Blick frei auf die 4000-er der Alpen – stolz präsentierte sich vor uns das imposante Weisshorn.

Peter und Frank auf dem Singletrail Richtung Gspon - im Hintergrund das Brunegghorn und das 4505 Meter hohe Weisshorn.
Bald schon vernichteten wir dann ca. 1500Hm auf einem absolut coolen Trail. Samtweich und erdig mit viel Grip kam da Fahrspass pur auf! Als Schlusszückerchen folgten noch 900 Meter im Aufstieg nach Bürchen. Einmal mehr war es ein genialer Tag, welcher aber jeden sehr hart forderte.
Peter |
13. Etappe Do, 9. Juli 09, Bürchen - Zinal, 2700 Hm / 60 km
Nach einem feinen und ausgiebigen Frühstück startet unsere heutige Tour mit einem wunderbaren Trail entlang der bekannten Wasserkanälen – den Suonen. Ein Start auch mit einigermassen angenehmen Temperaturen und guten Wetterprognosen für den bevorstehenden Tag. Anders als am Vortag!
Nach dem Suonen-Trail ging es dann Talwärts nach Ergisch. Von hier aus beginnt der längste Aufstieg der gesamten Wien-Nizza Tour. Über 2000 Hm hinauf zum Meidpass.

Reto auf dem aussichtsreichen Höhentrails ins Val de Zinal.
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Für den Aufstieg teilte sich die Gruppe. Lukas und unser stärkster Fahrer Reto schnappten sich den Up hill Trail – der Rest der Truppe kraxelte die Bergstrasse hoch. 900 Hm bis zum Mittagessen. Nach einer kurzen Pause ging es dann weiter. Die restlichen 1100 Hm bis zum Gipfel standen auf dem Programm. Zuerst auf einer Schotterstrasse, dann weiter auf einem Gebirgsweg und zu guter Letzt noch eine Tragpassage durch Stein und Geröll hinauf auf den 2790 m hohen Meidpass. Geschafft … Die hohen Berge und ein tolles Panorama rund um uns herum waren die Belohnung.
Nach einer kurzen und technisch anspruchvollen Abfahrt führte uns unsere Tour zuerst zum Hotel Weisshorn und dann weiter auf einen Panorama-Trail, der über viele Kilometer hinunter nach Zinal, unserem Etappenziel, führte.
Wiederum ein eindrücklicher Tag. Unsere Truppe kommt langsam aber sicher in Form. Und unser Finne Marko zeigte zudem allen wo es lang geht und demonstrierte kurzerhand, dass eine für uns unfahrbare Stelle eben doch fahrbar sein kann. Gratulation! Obwohl - wie Marko noch anfügte - hatte er keine Möglichkeit mehr zu bremsen und musste sein Bike sausen lassen ;-) … und bremsen wäre an dieser Stelle wirklich fatal gewesen! Nochmals Gratulation.
Frank |
14. Etappe Fr, 10. Juli 09, Zinal – Les Collons, 2’400 Hm / 53 km
„Diar Dnarg“ - Grand Raid rückwärts: das Motto des heutigen Tages. Kurz nach Zinal geht’s los mit einem wunderschönen, leicht gewellten Singletrail im Wald und schon bald erreichen wir Grimentz. Das Ziel des legendären Grand Raid Cristalp (Verbier – Grimentz, nächste Austragung am 22.08.2009…) ist unser Start für den ersten Aufstieg zum Basset de Lona. Eine Asphaltstrasse (mit kurzer Trail-Variante für die „Originalos“) führt uns zur Staumauer Moiry, wo sich ein unglaubliches Panorama über den Stausee auf den Gletscher Dent Blanche eröffnet. Bis zum Gipfel auf 2’792 müM fahren wir über eine Forststrasse und geniessen dabei eine wunderbare Aussicht und schönstes Wetter. Anschliessend geht’s auf einem Singletrail weiter und nach kurzer Abfahrt und steilem Aufstieg haben wir mit dem Pas de Lona bereits den zweiten „knapp-2’800-er“ in der Tasche. Die Abfahrt über ein steiles Geröllfeld lässt uns erahnen, dass die Rennfahrer des Grand Raid ihren Schlussaufstieg kaum geniessen können. Wir hingegen geniessen einen sonnigen Mittagshalt bei der nahen Alp und wärmen langsam wieder auf. Eine lange Singletrailabfahrt bringt uns hinunter in das Val d’Hérémence. |
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Die letzten 1’100 Höhenmeter des Schlussaufstieges nach Les Collons forderten die ganze Gruppe nochmals, da die vielen Abzweiger zu einem Stop and Go führten. Langsam machen sich die vielen gefahrenen Höhen- und Kilometer bemerkbar und jeder Start bringt eine längere Aufwärmphase mit sich bis die Beine wieder „rollen“. Dank unserer frühen Ankunft können wir die sonnige Terrasse des Hotels in vollen Zügen geniessen und uns mit leckeren Walliserspezialitäten stärken. Eine geniale und sehr kurzweilige Tour findet so einen würdigen Abschluss. Martigny wir kommen!!!
Reto

Urs im Up Hill zum Basset de Lona - Im Hintergrund der Lac de Moiry und die Dent Blanche.
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15. Etappe Sa, 11. Juli 09, Les Collons - Martigny, 1500 Hm / 90 km
Es ist kaum zu glauben, dass heute bereits die letzte Etappe auf dem Programm stand. Voller Motivation nahmen wir diesen letzten Teil in Angriff. Urs musste leider wegen einer Grippe mit dem Auto nach Martigny fahren. Wir anderen nahmen die Tour mit einem faszinierenden Panorama – sogar der Gipfel des Matterhorns war zu sehen – in Angriff. Schon bald wurden wir mit beeindruckenden Tiefblicken ins Rhonetal belohnt.

Beeindruckendes Grand Combin Panorama auf einem herrlichen Suonen-Weg.
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Die Sicht wurde zudem frei zu den Eisbergen von Diablerets, Wildhorn und Wildstrubel. Es folgten kilometerlange Suonenwege welche uns immer weiter Richtung Ziel brachten. Es ging zügig voran und der letzten Up Hill - auf dem zweiten Teil der Wien-Nizza Trilogie - zum Croix de Coeur nahmen wir wie im Flug. Dieser Übergang ist der letzte, welcher vollständig auf Schweizer Boden liegt. Hoch über Verbier werden wir zudem mit dem Grand Combin –Panorama verwöhnt. Mit seinen stolzen 4314 Metern Höhe ist er der westlichste Viertausender der Schweiz. Eine 1200 Höhenmeter lange Singletrail-Abfahrt führte uns nach Lourtier – hier wo 2010 der dritte und letzte Teil der Wien-Nizza Trilogie startet.
Es ist kaum zu glauben was wir alles erlebt haben und es ist nur schwer zu fassen dass diese 15 Tage nun bereits vorbei sind. Es war eine sehr intensive Zeit welche unsere Gruppe richtiggehend zusammengeschweisst hat. Dani, Urs, Peter, Marko, Frank, Maurizio, Reto, Heini und Beat, vielen Dank für diese wunderschöne Zeit.
Lukas |
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